Die bittere Wahrheit über die süsse Ananas aus Costa Rica

Aktuell ziehen die saftig-süssen Ananas in den Supermärkten alle Blicke auf sich. Allerdings gefolgt von einer bitteren Wahrheit, denn die Produktion in Costa Rica verursacht für das führende Land des internationalen Ananashandels und grössten Lieferanten in die Europäische Union und Vereinigten Staaten dramatische soziale und ökologische Kosten.

Wer liebt nicht auch eine frische Ananas mit dem süssen tropischen und leckeren Geschmack. Schon seit 2000 ist weltweit die Nachfrage nach dieser Frucht um rund 300% gestiegen, und die Ananas-Industrie in Costa Rica hat versucht, durch Erhöhung der Produktion mit diesem Trend Schritt zu halten. Der Sektor ist von 3.400 ha im Jahr 1986 auf 42.000 ha im Jahr 2013 gestiegen.

Ananas sind im Supermarkt günstig, verursachen aber einen hohen Umweltschaden

Die intensive Landwirtschaft hat dazu geführt, dass die Ananas in unseren Supermärkten zu unglaublich niedrigen Preisen angeboten werden, die den Verbrauch ankurbeln und die Nachfrage noch mehr erhöhen. Obwohl niedrige Preise eine gute Sache zu sein scheinen und den Verbrauchern zugute kommt, wird die Überproduktion durch Vorwürfe von Umweltschäden u.a. durch Abholzung, Zerstörung von Feuchtgebieten, Entwicklung von Plantagen sowie chemischer Vergiftung der Boden- und Wasserversorgung getrübt. Von der intensiven agrochemischen Anwendung, die das Leben der Plantagenarbeiter gefährdet und auch das der Menschen, die in der Nähe leben, bis zu niedrigen Löhnen, Verletzungen der Arbeitnehmerrechte und einer ernsthaften Missachtung der Gewerkschaftsrechte.

Im jüngsten Bericht der internationalen NGO Oxfam Deutschland mit dem Titel “Süsse Frucht, bittere Wahrheit” aus dem Jahr 2016, heisst es, dass sich die Bedingungen auf den Plantagen seit 2008 oder 2011, als ihre beiden letzten Studien über Ananas und Bananen aus Costa Rica und Ecuador veröffentlicht wurden, kaum verbessert haben. Dieser Bericht weist die Verantwortlichkeiten für unmenschliche Bedingungen auf den Plantagen zu mehreren deutschen Supermärkten, wie Aldi, Lidl, Edeka und Rewe, weil sie ihre Marktmacht missbraucht haben, indem die Preise, die an Produzenten und Zulieferer gezahlt werden, gedrückt wurden. Von 2002 bis 2014 sank der Einfuhrpreis für Ananas um etwa 45%, trotz steigender Produktionskosten. Dies führt zu niedrigen Löhnen und zur Aufrechterhaltung instabiler Beschäftigungsbedingungen für die Plantagenarbeiter, die ihre Familien nicht unterstützen können.

Darüber hinaus werden Ananas meist in pestizid-intensiven Monokulturen angebaut, wodurch das Grundwasser in mehreren Anbaugebieten kontaminiert wird, dort, wo Wassertanker noch immer für das Trinkwasser der Gemeinden benötigt werden. Aus diesem Grund zeigen viele der befragten Arbeitnehmer eine hohe Rate an Behinderungen, Fehlgeburten und Krebs sowie in den Bereichen rund um die Plantagen häufig Atemwegserkrankungen, Übelkeit, Hautallergien und Schwindel. Das macht deutlich, dass notwendige Arbeitsschutzmassnahmen auf vielen Plantagen fehlen. Darüber hinaus beschwerten sich viele Arbeitnehmer über die Arbeitszeiten, mit manchmal bis zu 12 Stunden, und über Verletzungen der Gewerkschaftsrechte, die weiter ein ernstes Problem bleiben.

Ein Vorgeschmack auf die neue Zukunft der Ananasproduktion

Um diese unmögliche Situation endgültig zu beenden, müssen alle Beteiligten handeln, damit die Arbeits- und Lebenssituation der Menschen verbessert werden kann, die es uns ermöglichen, diese köstlichen tropischen Früchte geniessen zu können. Supermärkte haben ihre ökologische und soziale Verantwortung vernachlässigt und für Ananas hängen sie zunehmend vom Label Rainforest Alliance ab. Der Bericht von Oxfam zeigt jedoch auch, dass dies nicht die grössten Probleme löst, wie die Kontamination von Pestiziden und die Verletzung von Arbeitsgesetzen. Es sollte eine Veränderung hin zu humanen Arbeitsbedingungen und fairen Preise an die Lieferanten geben.

Darüber hinaus sollten Regierungen aus Importeurländern auch Einfluss nehmen, indem sie Unternehmen binden, die Menschen- und Arbeitsrechte respektieren, auch bei ihren Lieferanten. In Costa Rica muss die Regierung die Einhaltung von Beschäftigungs- und Umweltvorschriften rigoros durchsetzen. Natürlich sollten Konsumenten solche Produkte bewusst konsumieren und fair gehandelte Früchte bevorzugen, die gut für die Arbeitsbedingungen der Hersteller als auch für die Umwelt sind, und, wenn möglich, in offensichtlichen Aktivitäten teilnehmen, wie Petitionen, die Druck auf Supermärkte ausüben, damit die Lieferanten fair bezahlt werden und garantiert werden kann, dass auch die Lieferanten gute Arbeitsbedingungen bieten.

Es gibt auch Bio-Bauern in Costa Rica, die ihr eigenes Land bearbeiten und Schädlinge kontrollieren, durch rotierenden Fruchtwechsel und den Aufbau eines gesunden Bodens, wodurch die Fähigkeit der Pflanzen, den Schädlingen gegenüber resistent zu sein, gestärkt wird. Obwohl die Preise für herkömmliche Ananas in Europa drastisch gekürzt werden, sind die Menschen manchmal nicht bereit, mehr Geld für eine ethische Produktion zu zahlen, und Fair-Trade-Ananas haben es schwer, einen Markt zu finden und werden am Ende so verkauft, als ob sie konventionell angebaut wurden. Damit riskieren sie die Nachhaltigkeit ihrer Unternehmen. Das gleiche passiert Bio-Ananas-Produzenten aus anderen Länder. Genau deshalb ist es so wichtig, unser Verhalten zu ändern und mehr Bewusstsein für diese Branche zu schaffen. Auf der anderen Seite sind neue Unternehmen entstanden, die in Costa Rica einen ökologischen Anbau der Ananas unterstützen.

Neue Perspektive mit Öko-Projekten in Costa Rica

Eines davon ist ein Projekt des costaricanischen Elektrizitätsinstituts (ICE) in Zusammenarbeit mit den Ministerien für Landwirtschaft und Viehzucht, Umwelt und Energie sowie der Wirtschaftsplanung und Entwicklung, das in der Farm Valle del tarso begann, sich der ökologischen Erzeugung der Früchte widmet und versucht, die Abfallmenge, die durch die Ernte der Ananas entsteht, zu reduzieren, indem Produktionsabfälle in einen umweltfreundlichen Dünger umgewandelt werden. Auf diese Weise wird der Bedarf an synthetischen Düngemittel verringert und die Struktur des Bodens verbessert. Da organische Abfälle wie auch der der Ananas, Biomasse mit Energiepotenzial enthält, kann es verwendet werden, um Strom zu erzeugen und damit eine alternative Quelle für die Wasserkraft im Land darzustellen.

Ein weiteres interessantes Projekt ist Piñatex, ein neues lederartiges Material aus Ananas Blättern – eine Erfindung von. Dr. Carmen Hijosa, die ihr Leben der Schaffung nachhaltiger Alternativen zu Leder und erdölbasierten Textilien gewidmet hat. Die Produktion dieses ökologischen Leders ergibt auch ein Nebenprodukt von Biomasse, das an die Landwirte zurückgegeben und als Dünger auf ihren Plantagen verwendet kann.

Mittlerweile hat die Regierung von Costa Rica eine Initiative unterzeichnet, die eine verantwortungsvollere Produktion und den Handel von Ananas im Land fördern soll, indem ein Monitoring-System für die nationale und internationale Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird, welches die Durchführung von Leitaktionen in sensiblen Bereichen wie z.B. Ausbildung, Bodenmanagement und agrochemische Kontrolle unterstützt. Daher hoffen wir, dass die ersten Schritte zur Umkehrung der Überproduktion der Ananas angefangen haben und aufgenommen werden, da sich langsam viele Leute dem bewusster werden.

Eine sehr ähnliche Geschichte passiert einer anderen Frucht: Bananen! Eine weitere leckere tropische Frucht, die in unseren Supermarktregalen zu niedrigen Preisen angeboten werden, als sozial und ökologisch Kosten eigentlich ertragbar. Aber das ist eine ganz andere Geschichte …. Bitte stelle sicher, dass du dir bei der Auswahl deiner täglichen Früchte darüber bewusst bist.

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Weiterführende Links zum Thema

OXFAM Deutschland: Für eine gerechte Welt ohne Armut

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